Vor einiger Zeit erwähnte ich an dieser Stelle schon, dass Ende letzten Jahres der erste Abercrombie & Fitch Store in Deutschland eröffnet hat und ich unbedingt einmal testen wollte, was an diesem Mysterium dran ist. Jeder kennt es und jeder will es mal testen. Na gut, fast jeder. Auf jeden Fall scheint das Konzept aufzugehen und Abercrombie & Fitch strahlen anscheinend eine magische Anziehungskraft aus, die zu verstehen vergeblich ist.


Zur Weihnachtszeit wollte ich meinen ersten Versuch starten mich in den Bann von Abercrombie ziehen zu lassen, aber die Warteschlange, um ins Geschäft zu gelangen, ging bis um die Straßenecke (die Fotos der Warteschlange sind noch aus dieser Zeit). Bei aller Neugier, das war es mir dann doch nicht wert. Vor zwei Wochen startete ich dann einen neuen Versuch in der Hoffnung, dass sich der Andrang mittlerweile normalisert hat. Ich schnappte mir eine Freundin und leider mussten wir uns auch dieses Mal in eine Schlange einreihen. Sie war nur kurz, ließ uns aber schnell erahnen, auf was wir uns da eingelassen hatten. Umringt von pubertierenden Mädels mit ihren Müttern warteten wir bis uns der schnittige Typ mit wallendem Haar hineinließ in den heiligen Tempel.


Nun waren wir drinnen und wurden direkt von einem weiteren schnittigen Typen und einem Modelartigen Mädchen mit einem lässigen “Hey, how are you?” begrüßt. Schön. Das Mädchen hatte natürlich nicht soviel an. Ok, weiter ging es. Jetzt waren wir richtig drin und schon wurden wir vom vollparfümierten Raum umgehauen. Dieser Geruch und die Dämpfe krochen in unsere Nasen und setzten sich fest. Das zweite Übel bescherte uns die dröhnende Musik, die sich dafür in unseren Ohren festsetzte. Aber nicht genug, es sollen ja alle Sinne überfordert werden. Das Licht konnte man als dunkel bis schummrig bezeichnen, aufgehellt durch verschiedene Spots, die einen so blendeten, dass man dachte man würde erblinden. Fing ja alles schon gut an.


Wir kämpften uns von Stockwerk zu Stockwerk (5 sind es insgesamt) und hofften auf dem nächsten Stockwerk vielleicht etwas anderes vorzufinden. Leider war jedes Stockwerk der Klon des darunter liegenden. Die Verkäuferinnen trugen alle ein sehr kurzes Kleidchen aus der aktuellen Kollektion und sahen nicht so aus, als hätten sie die Volljährigkeit schon erreicht. Die Jungs trugen auch nicht sehr viel und sahen auch nicht besonders reif aus. Leider war ich so abgelenkt vom drumherum, dass ich die Verkäufer jedoch nicht weiter beachtete. Wer jetzt denkt, in einem so großen Store gäbe es sicher eine große Auswahl, der täuscht sich aber gewaltig. Gefühlt gab es nur 10 verschiedene Kleidungsstücke und die aber in allen erdenklichen Farben. Interessant war auch, dass sich der Unterschied zwischen Kinderkollektion und regulärer Kollektion einfach nicht ausmachen ließ.
Lange haben wir es nicht ausgehalten. Wir mussten fliehen und vor allem erstmal einen besonders tiefen Atemzug nehmen, um wieder zu erfahren, was eigentlich frische Luft ist. Für manch einen mag das Abercrombie Konzept aufregend sein und Geschmäcker sind sicherlich verschieden, für mich war es jedoch nur Stress. Dass mir die Kleidung nicht gefällt, ist auch nur Nebensache. Sehen konnte man sie ja sowieso nicht wirklich.
//Anna